Gott coacht mich
In meinem Berufsleben habe ich bereits mehrere Weiterbildungen machen dürfen, in denen es um die Zusammenarbeit und Arbeit mit Menschen geht. Mit Einzelnen und mit Teams. Neues angehen, Veränderungen begleiten, kreative Lösungen für komplexe Probleme finden.
Was sich in fast allen Ansätzen und Methoden wiederfindet sind drei Dinge: Die „richtigen“ Fragen stellen, aktiv zuhören und die Perspektive wechseln.
Beim Fragen kommt es auf die Haltung an. Möchte ich wirklich die Gedanken des anderen erfahren? Interessiert nachfragen und verstehen? Oder das Gespräch zu einem Stichwort für „meine“ Gedanken hinführen?
Vom aktiven Zuhören hast du sicher schon gehört. Es geht darum wirklich zuzuhören, zu verstehen und dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Interessiert nachfragen zum besseren Verstehen, das Gesagte zusammenfassen, um Missverständnisse zu vermeiden. Ein Ausdruck von Wertschätzung.
Und dann kommt noch der Perspektivwechsel – raus aus der eigenen Sicht, sich hineinversetzen in den anderen, die Situation anders betrachten. Das fällt uns allein schwer und fühlt sich unbequem an. Mit einem Gegenüber im Gespräch gelingt das schon besser.
Diese Dinge sind teil vieler Unterstützungsprozesse wie Beratung, Coaching, oder Mentoring. Übrigens, ein Mentoring-Angebot findest du auch in unserer Gemeinde.
Ich durfte dieses Jahr eine Ausbildung zum Systemischen Business Coach absolvieren und das intensiv als Coach, aber auch als Mensch, der gecoacht wird, erleben. Dort, wie auch in anderen Weiterbildungen, wird manchmal davon gesprochen „achtsam zu sein“ oder „der Situation nachzuspüren“. Damit ist nichts Esoterisches gemeint. Es geht ums Innehalten, sich nicht ablenken zu lassen, sondern zu konzentrieren und beim Thema zu bleiben.
Innehalten? Nicht ablenken lassen? Konzentrieren? Nachspüren? Manchmal denke ich dabei: „Also ich würde das ‚Beten‘ nennen!“ Und so kam der Gedanke, dass Gott in dem Moment, wenn ich bete, mein Coach ist. Ich komme im Gebet mit Anliegen, mit Fragen und Gedanken. Und Gott hört aktiv zu. Ich spüre seine Fragen an mich (obwohl er all meine Gedanken kennt), mache sie zu meinen. Er ist mein Gegenüber im Gespräch und hilft mir zu einem Perspektivwechsel. Weg von meiner Idee, hin ergründen zu wollen, was seine Idee für meine Situation ist. Einfach wunderbar!
Was es bei allem jedoch braucht, ist Zeit und Geduld. Bei dem, der ein Anliegen hat und bei dem Unterstützer. Selten reicht ein Moment, ein Treffen oder ein Gebet um weiterzukommen – auch wenn wir das gerne hätten. Im Gebet kann ich mir aber sicher sein, Gottes Geduld geht nie aus. Da liegt es nur an mir dranzubleiben.
Markus S.