Politik ist kein einfaches Thema. Ich interessiere mich selbstverständlich dafür was in unserem Land und auf der Welt passiert und gehe zur Wahl. Ich tausche mich allerdings nicht gerne dazu mit anderen aus. Warum? Weil „es eh nichts bringt“. Was ändert die Diskussion am Kaffeetisch an der Situation, wenn kein Regierender dabei zuhört?
Gerade in diesem Herbst passiert viel Politisches, das uns bewegt, aufregt oder Sorgen macht. Ich denke an die Landtagswahlen im Osten Deutschlands und an die Midterm-Wahlen in den USA. Auch innenpolitische Themen bestimmen aktuell die Nachrichten.
Was können wir also tun, wenn diskutieren „eh nichts bringt“?
An eine Möglichkeit wurde ich beim erneuten Lesen des Buches „Lebendig! Vom Geheimnis mündigen Christseins“ von Michael Herbst erinnert. Er schreibt vom Beten „für die mit Verantwortung und Macht“ und zitiert aus 1. Tim 2, 1-2 BB „Zuerst und vor allem bitte ich euch, im Gebet für alle Menschen einzutreten […] Betet auch für die Könige und alle übrigen Machthaber. Denn wir wollen ein ruhiges und stilles Leben führen – in ungehinderter Ausübung unseres Glaubens und in Würde.“.
Die folgenden zwei Zitate aus dem Buch geben uns zwei Sichtweisen auf das Thema:
„Beten ist aktive politische Verantwortung und politische Verantwortung von Christen schließt immer Gebet ein. Gebet für die, die Macht haben und Macht ausüben: dass sie tun, was gerecht ist und dem Frieden dient; dass sie nicht trunken werden von ihrem Einfluss und ihrer Größe; dass sie ausreichend Kraft haben dem Druck der Verantwortung standzuhalten, dass sie weise sind die Dinge zu durchschauen und kluge Entscheidungen zu fällen. Die Regierenden, die eine hohe Stellung einnehmen, brauchen unser Gebet.“
„Von Martin Luther habe ich gelernt, auch gegen die zu beten, die sich bereichern und ihre Völker unterdrücken, Kriegstreiber sind und Unrecht dulden, alles Fremde bedrängen, Freiheit beschneiden und die Schöpfung ausbeuten. Sie werden eines Tages sagen, was ratlose Mächtige nach dem 9. November 1989 sagten: ‚Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.‘ [1] Gebet ist eine mächtige Waffe in der Hand der kleinen Leute.“
Dies gibt uns Impulse, was wir tun können. Wir können mit all unseren Anliegen und Sorgen, auch politischer Natur, zu Gott kommen. Wir können verantwortlich beten. Für die Regierenden, denen wir vertrauen und durch Gebet stärken wollen. Auch für die Ungerechten, dass Gott Einsicht schenkt oder Veränderung bewirkt. Für ein ruhiges und stilles Leben in ungehinderter Ausführung unseres Glaubens und in Würde.
Beim Lesen des Kapitels bin ich im „Dialog“ mit Michael Herbst. Ich erfahre seine Meinung, reflektiere meine und bekomme neue Gedanken und Ideen, wofür konkret ich beten kann. Fast wie beim Kaffeetrinken. Der Austausch mit anderen bringt am Ende doch was.
Markus S.
[1] Zitat im Buch aus https://www.focus.de/politik/deutschland/20-jahre-wende/das-wunder-von-leipzig-friedliche-revolution_id_1845378.html